Der EU AI Act nach dem Omnibus: Was sich für Unternehmen ändert, die KI nutzen

Hochrisiko-Regeln verschoben, Transparenzpflichten gelten schon, KI-Kompetenz bleibt Pflicht. Ein verständlicher Leitfaden für kleine und mittlere Unternehmen.

In diesem Sommer hat die Europäische Union ihr eigenes KI-Regelwerk geändert. Der sogenannte digitale Omnibus zur KI wurde am 7. Mai 2026 von Rat und Parlament vereinbart, am 16. Juni vom Plenum des Parlaments angenommen und am 24. Juli als Verordnung (EU) 2026/1744 im Amtsblatt veröffentlicht. Die Schlagzeilen drehten sich vor allem um die Verschiebungen. Für die meisten Unternehmen, die KI lediglich nutzen, ist jedoch wichtiger, was sich nicht verschoben hat.

Was verschoben wurde

Die strengsten Pflichten, nämlich die für Hochrisiko-KI-Systeme, greifen jetzt später:

  • 2. Dezember 2027 für eigenständige Hochrisiko-Systeme, etwa KI zur Vorauswahl von Bewerbern oder zur Bonitätsprüfung.
  • 2. August 2028 für Hochrisiko-KI in regulierten Produkten, etwa Maschinen oder Medizinprodukten.

Wenn Ihr Unternehmen solche Systeme entwickelt oder einkauft, haben Sie mehr Zeit zur Vorbereitung. Es ist ein Aufschub, keine Abschaffung.

Was bereits gilt

Zwei Gruppen von Regeln sind heute schon in Kraft, und der Omnibus hat an ihrem Zeitplan nichts geändert.

Verbotene Praktiken. Seit Februar 2025 sind bestimmte KI-Anwendungen vollständig verboten, etwa manipulative Techniken oder Social Scoring. Der Omnibus hat ein neues Verbot für KI hinzugefügt, die nicht einvernehmliche intime Bilder oder Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs erzeugt.

Transparenz. Seit dem 2. August 2026 müssen Menschen darüber informiert werden, dass sie mit einem KI-System kommunizieren, sofern das nicht aus dem Kontext offensichtlich ist, und Deepfakes müssen als solche gekennzeichnet werden. Wenn Ihre Website einen Chatbot hat oder Sie KI-generierte Bilder und Videos veröffentlichen, betrifft Sie das schon jetzt. Anbieter von KI-Tools, die bereits auf dem Markt waren, haben bis zum 2. Dezember 2026 Zeit, generierte Inhalte maschinenlesbar zu kennzeichnen.

KI-Kompetenz bleibt eine Pflicht

Die Kommission hatte vorgeschlagen, die Regel zur KI-Kompetenz in eine bloße Empfehlung umzuwandeln. So weit ging der endgültige Text nicht. Nach dem geänderten Artikel 4 müssen Unternehmen, die KI-Systeme anbieten oder nutzen, weiterhin Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu fördern, während Kommission und Mitgliedstaaten diese Bemühungen mit Leitlinien unterstützen. Das Gesetz legt kein bestimmtes Niveau fest, das jede Person erreichen muss, aber ein Unternehmen sollte nachweisen können, was es getan hat.

In der Praxis: Wenn Ihre Mitarbeitenden KI bei der Arbeit nutzen, brauchen Sie dokumentierte Schulungsmaßnahmen, kein Zertifikat für jeden Beschäftigten.

Gute Nachrichten für wachsende Unternehmen

Mehrere Vereinfachungen, die bisher KMU vorbehalten waren, gelten jetzt auch für kleine Midcap-Unternehmen, darunter eine schlankere technische Dokumentation, verhältnismäßige Managementsysteme und gedeckelte Bußgelder.

Eine Checkliste in fünf Schritten

  1. Erfassen Sie die KI, die Sie nutzen. Listen Sie die Tools auf, wer sie nutzt und mit welchen Daten.
  2. Prüfen Sie Chatbots und generierte Inhalte. Bringen Sie einen klaren Hinweis an, wo Kunden mit KI interagieren, und kennzeichnen Sie synthetische Medien.
  3. Schreiben Sie eine kurze KI-Nutzungsrichtlinie. Welche Tools erlaubt sind, welche Daten geteilt werden dürfen, wer die Ergebnisse prüft.
  4. Schulen und dokumentieren Sie. Bewahren Sie Teilnehmerlisten, Unterlagen und Termine Ihrer Maßnahmen zur KI-Kompetenz auf.
  5. Markieren Sie mögliche Hochrisiko-Anwendungen. Personalauswahl, Kreditvergabe und sicherheitskritische Anwendungen sollten vor Dezember 2027 genauer geprüft werden.

Genau diesen Bereich deckt unser AI Evolution Program in den ersten Wochen ab: eine Übersicht der Prozesse, eine Nutzungsrichtlinie und dokumentierte Schulungen für jede Abteilung. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung.

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